Parabolische Texte

    entstanden 2007/08 im Deutsch - Unterricht der Klasse 12a

    Da sich die SchülerInnen der 12a im Laufe des Schuljahres intensiv mit parabolischen Texten von Kafka und Brecht beschäftigt haben, war der nächste Schritt nicht weit: eigene Texte dieser Art -allein oder in der Gruppe- zu schreiben.
    Viel Erfolg bei der Annäherung an ihre Bedeutung.
    Fg
    Eine Dame tritt in die Welt ein. Der Mann und die Frau akzeptieren sie mit Vernügen. Einige lieben ihre Bewegung, andere ihren Kopf...
    Alle werden von ihr tief beeinflusst. Aber niemand kann sie genau beschreiben, da sie niemand mit den Augen hören kann.
    Arnau

    "Ich habe alles verlassen. Jetzt ist mir kalt, aber ich muss an der Tür ankommen ... Ich kann jetzt sie sehen! Die Tür öffnet sich und ich fühle die Wärme, die es dahinter gibt.
    Es ist, wie alle sagten. Ich wollte es nicht glauben, aber die Farben, die Gerüche, die Freude... Es ist wie ein Traum und..."
    "-Liebe Kunden, hier werden Sie die billigsten Socken finden!"
    Arnau
    Ein Mann schreibt mit einem Kuli. Er mag nicht, was er geschrieben hat, und sagt: "Der Kuli kann nicht schreiben".
    Ignasi


    Ein Mann hat einen Kuli. Plötzlich fängt der Kuli an, alleine zu schreiben. Der Mann wirft den Kuli in den Papierkorb.
    Das Wichtige an einem Kuli ist, dass er schreibt, was man ihm befiehlt zu schreiben.
    Alberto

    Der gesichtslose Mann wandert verwundet durch die schwarze, leere Welt. Sie ist nicht leer, hat aber keine Menschen. Und der gesichtslose Mann sucht sein Gesicht, das er in der Katstrophe verloren hat; seine Füße tun sehr weh, aber er geht weiter, obwohl sein Blut den Boden rot färbt.
    Seit Langem hört er die Melodie einer Sirene, die im heiligen Wasser des weißen Zimmers lebt, und er folgt ihr ohne aufzuhören.
    Raben folgen dem Mann, vom Blutgeruch, vom Todgeruch angezogen, aber er sieht sie nicht: nur Dunkelheit und, am Ende, das weiße Zimmer, das immer weiter weg ist.
    Und plötzlich merkt er, dass er an Kadaver von toten Kindern gefesselt ist. Er schlägt die Köpfe der Kinder, beißt ihre toten, grauen Handgelenke, um sie von den Fesseln abzutrennen, aber sie sind hart wie Steine und der Mann wirft sich zu Boden, Tränen in den Augen.
    Wenn niemand da ist, wer wird die Fesseln öffnen? Und, wenn er gefesselt ist, wie wird er ankommen?
    Das Lied der Sirene wird immer lauter, sein Gesicht immer unschärfer und die Kadaver immer schwerer.
    Julia
    Ein Mann und eine Frau verabreden sich um 18 Uhr. Der Mann kommt um 18 Uhr und die Frau um 19 Uhr. Der Mann ärgert sich und sagt: "Du bist zu spät". Aber die Frau antwortet: "Nein, du bist zu früh". Gucken beide die Turmuhr an, wo es 20 Uhr anzeigt.
    Ignasi

    Ich schließe meine Augen und denke.
    Ich habe Angst, dass die Zeit vergeht. Gestern habe ich nichts Besonderes gemacht, heute sieht es wie gestern aus.
    Aber
    wenn sie erscheint, verliere ich meine Angst und die Zeit bleibt stehen. Ich öffne meine Augen, fünf Minuten noch, eine Ewigkeit.
    Jordi

    Angst

    Plötzlich war sie da. Er hatte sie nie gesehen, trotzdem kannte er sie gut. Er wollte sie überzeugen, wegzugehen. So hielt er sich an ihr fest und dachte: "Warum lässt sie mich nicht los?"
    Edu
    Der Denkende sagt: "Jetzt kenne die ganze Wahrheit der Welt, ich weiß alles". Und der Denkende stirbt. Der andere Mann sieht den toten Denkenden auf dem Boden und sagt: "Er wusste nicht alles, er wusste nicht, dass er sterben wird, wenn er alles weiß".
    Ignasi


    Er erwacht und steht auf. "Ach mein Kopf, der schmerzt!". Er läuft weiter. Er weiß nicht, wo er ist. Die Augen öffnen sich. Er sieht nichts, nur trüb. "Was mache ich hier? Das ist sehr nebelig!". Er geht weiter und fällt in einen Abgrund. Trotzdem kommt er wieder zum selben Platz. Er ist alleine. Einige Schatten tauchen ihm hervor aber er erkennt sie nicht. Er spricht sie nicht an: "Ich kann nicht sprechen!". Sein Körper bewegt sich trotzdem ruhig und geht weiter.

    Grab ist relative Realität und Realität ist hoffnunglose Unkenntnis.
    Guillermo


    Der Uhrmacher hat eine Uhr erschaffen, deren Zeiger sich in Kreise dreht. Aber jedes Mal, dass der Zeiger 12 Uhr erreicht, ruft es: "Zu spät!".
    So war der Uhrmacher wieder enttäuscht. Er wollte eigentlich sein ganzes Leben eine Uhr schaffen, deren Zeiger geradelinig durch die Welt, still, läuft.
    Edu


    Eines Tages fiel der Mann in einen tiefen Brunnen. Er glaubte nicht fähig zu sein, den Brunnen selbst zu verlassen, also wartete er auf Hilfe. Nach einer langen Zeit bemerkte er, dass keiner kommen würde und dass er von selbst raus kommen musste. Er steckte seine Hand in seine Tasche und fühlte das Ende einer Schnur. Aber die Schnur war brüchig geworden.

    Ziel: Hindernissen muss man möglichst früh von selbst entkommen.
    Noemi, Sofia, Cristina
    Erstes Ziel: Das Leben mit Jahren füllen. Wie viele Wege kannst du gehen, ohne dich zu verirren? Wie viele Menschen musst du kennen lernen, bis du dich selbst kennst? Wieviel musst du träumen, bis du die Wahrheit erkennst? Wie lange kannst du jung bleiben, bis du schon zu alt bist? Wieviel kannst du lernen, bis du nichts weißt? Letzte Hoffnung: Diesen endgültigen glänzenden Tag mit Leben füllen.
    Edu

    Das Vergehen der Zeit

    Wasser fließt durch den Fluss. Wie lang ist dieser?
    Man weiß es nicht. Wir sind Teil des Flusses. Aber, wie können wir wissen, ob wir eine Dose Cola treffen werden, die uns verschmutzt oder uns nicht weitergehen lassen wird?
    Das können wir nicht wissen, wenn wir es erfahren. Können wir uns irren?

    Welcher ist der richtige Fluss, den man nehmen muss?
    Oriol

    DIE SUCHE

    Der Suchende baut sein Wunschhaus seit langer Zeit. Im Garten findet er eine Angel und entscheidet sich sie zu benutzen. Sein Haus befindet sich immitten des Meers, so dass er von der Terrasse die Angel auswirft. Er wartet, wartet und wartet. Das Haus altert. Obwohl es ihm bewusst wird, tut er jahrelang nichts anderes als erfolglos zu angeln. Er denkt nicht mehr an das Haus, bis es in so einem schlechten Zustand ist, dass es zerfällt, und er mit ihm. Mit leisem Brausen wird er vom Meer geschluckt.
    Arnau, Laura, Liber, Pau

    Ohne Versuch kein Erfolg

    Er sah sie. Was sah sie?
    Sie sah ihn. Was sah er?

    Am nächsten Tag...

    Er sah sie. Was sah sie?
    Sie sah ihn. Was sah er?

    Nach zwei Tagen sieht er sie auf einem Schiff.

    Die Tränen von beiden füllten das Meer.
    Oriol und Jordi