Charakterisierung Grenouilles
Der Pfad zwischen Genie und Wahnsinn ist ziemlich schmal. Das Parfum erzählt von dem Wandel eines begabten Außenseiters.
Jean-Baptiste Grenouille wurde am 17. Juli 1738 "Am allerstinkendsten Ort" (S. 7) in Frankreich geboren. Schon als Säugling wird er als bedrohlich empfunden. Er wird von einer Amme zur anderen gereicht, doch niemand will ihn haben. Der Amme Jeanne Bussie fällt als erste auf, dass er "überhaupt nicht riecht" (S.14). Sogar Pater Terrier, der ein "gebildeter Mann" (S. 18) ist und das Kind zuerst fast wie sein eigenes behandelt, bezeichnet es wenig später als "feindseliges Animal" (S. 24). Den Kindern bei Madame Gaillard ist Grenouille "unheimlich", so daß sie mehrmals versuchen ihn umzubringen. Er hat aber einen außerordentlich widerstandsfähigen Körper, der "alle Krankheiten und Unmenschlichkeiten der anderen überlebt". Liebe und Zärtlichkeit sind Begriffe, die er nie kennen gelernt hat. Seine Mutter wollte ihn "verrecken lassen" (S. 9) und Madame Gaillard hatte mit ihrem Geruchssinn "jedes Gefühl für menschliche Wärme und menschliche Kälte und überhaupt jede Leidenschaft" (S. 25) verloren. Moral und Ethik sind für ihn Fremdwörter: "Recht, Gewissen, Gott, Freunde, Verantwortung, Demut, Dankbarkeit usw.- was damit ausgedrückt sein sollte, war und blieb ihm schleierhaft." (S. 33)
Grenouille entwickelt sich dadurch zu einem gefühllosen Wesen, das nichts dabei empfindet, wenn es einen Menschen umbringt: "Daß am Anfang dieser Herrlichkeit ein Mord gestanden hatte, war ihm, wenn überhaupt bewußt, vollkommen gleichgültig." (S. 58) Er spiegelt die Herzlosigkeit wider, die ihm entgegen gebracht wurde.
Deshalb fühlt er sich erst dann wohl, wenn man ihn nicht beachtet. Wegen dieser Abkapselung wird Grenouille als "Zeck" bezeichnet. Grimal, der ihn ausbeuten will, behandelt ihn auch wie ein "Animal". Grenouille wird immer wieder mit Tieren verglichen, die unangenehme Gefühle im Menschen erwecken wie z.B. mit einer Kröte oder einer schwarzen Spinne.