Leitmotiv Zeck
Die Zecke ist zäh, still und belastungsfähig. Die Gemeinsamkeiten zu Grenouille sind offensichtlich. Er lebt zurückgezogen und wartet den Zeitpunkt ab, bis er sein Opfer angreifen kann. "Die Zeit des Überwinterns war vorbei. Der Zeck Grenouille regte sich wieder. Er witterte Morgenluft. Die Jagdlust packte ihn." (S.43) Der Vergleich ist immer mit neuen Lebensabschnitten oder wichtigen Momenten in Grenouilles Leben verbunden.
Sein wichtigster Sinn ist der Geruchssinn. Die Begabung, mit seiner Nase einen Duft aus einem Gemisch herauszufiltern oder in seinem Kopf neue Düfte zu kreieren, machen ihn schon in jungen Jahren zum Wunderkind. Er nimmt seine ganze Umwelt nur in Form von Gerüchen wahr.
Sei es Baldini, der Marquis de la Taillade-Espinasse oder Madame Anulfi, keiner ist wirklich interessiert an Grenouille als Mensch. Er ist lediglich eine günstige Geldquelle und ein Objekt der Ausbeutung.
Dennoch setzt er sich ein Ziel: Er will der "größte Parfumeur aller Zeiten" werden (S. 58) Nach dem Traum in der Höhle steckt sich Grenouille aber ein neues Ziel. Er bemerkt nämlich zum ersten Mal, dass er selbst gar nicht riecht und bekommt panische Angst: "Er war zu Tode geängstigt, schlotterte am ganzen Körper vor schierem Todesschrecken." (S. 171)
Deshalb will er sich einen Geruch, eine Identität schaffen, damit die Menschen ihn lieben. Nicht nur das, er will die Menschen sogar manipulieren und will sie beherrschen. Er will der "omnipotente Gott des Duftes" (S.199) werden. Dieser Größenwahn führt Grenouille nach Grasse, wo er hart arbeitet und versucht sein Parfum zu perfektionieren. Er gibt sich mit nichts zufrieden und sucht immer weiter nach neuen "Objekten", die getötet werden müssen, damit er ihre Substanz verarbeiten kann. Dabei überlegt Grenouille nicht, welche Folgen seine Morde haben: er ist nur auf sein Lebensziel fixiert.
Mit 28 Jahren werden seine Wünsche wahr. Durch die Schaffung des absoluten Parfums vollbringt er eine geniale Meisterleistung. Diesen Triumph kann er aber nicht genießen, da er an seinem wirklichen Problem scheitert. Die "Liebe", die die Massen am Tage seiner Hinrichtung ihm entgegen bringen, ist nicht Ausdruck wahrer menschlicher Gefühle, sondern beruht auf der Verführungskraft seines selbstkreierten Parfums. Er kommt zur Erkenntnis, dass er trotz seiner Genialität immer einsamer wird. Er weiß, dass er ohne sein Parfum nicht wahrgenommen wird und nicht zu existieren scheint. Die einzige Genugtuung findet er im Hass. Schließlich sucht er den Tod. Er kehrt zurück nach Paris und bringt - abermals mit Hilfe des Parfums - die am Friedhof versammelten elenden Gestalten dazu, ihn in einem kannibalischen Akt dort aufzufressen, wo er einst geboren wurde. Der gehasste, ungeliebte Grenouille wird endlich von seinem Leiden erlöst.
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