Grenouille als Teufel
Grenouille wird schon kurz nach seiner Geburt für den Teufel gehalten. So meint die Amme Jeanne Bussie, bei der Grenouille einige Wochen verbracht hat, er sei vom Teufel besessen. Sie meint dies deshalb, weil Grenouille nicht riecht. "An den Füßen muss ein Kind wie frische Butter riechen, am Körper wie eine Galette, die man in Milch gelegt hat und am Kopf wie Karamel" (S. 17).
Doch Grenouille riecht nach gar nichts, und das macht ihr Angst. Sogar der Pater, der Grenouille zuerst verteidigt, ist entsetzt von ihm. Dem Pater war es, "als sehe er ihn scharf und prüfend an, durchdringender, als man dies mit Augen könnte, als verschlänge es etwas mit seiner Nase, das von ihm, Terrier, aus ginge und das er nicht zurückhalten und nicht verbergen konnte... Das geruchlose Kind roch ihn schamlos ab, so war es!" (S. 23)
Das ist ihm so unheimlich, dass er Grenouille nur noch weg haben will und beinahe bezeichnet er ihn ebenfalls als einen Teufel. (S. 23)
Doch auch in anderen Teilen des Romans gibt es Parallelen zwischen Grenouillle und dem Teufel. Zum Beispiel, als Grenouille bei Baldini arbeiten will. "Ich will bei Ihnen arbeiten, Maîre Baldini. Bei Ihnen, in Ihrem Geschäft will ich arbeiten. Das war nicht bittend gesagt, sondern fordernd, und es war auch nicht eigentlich gesagt, sondern herausgepresst, hervorgezischelt, schlangenhaft." (S.92)
Hier wird Grenouille als "schlangenhaft" charakterisiert, was auf den Teufel schließen lässt, der ebenfalls als etwas Schlangenhaftes gilt.
Zum Vergleich eine Bibelstelle:
"Und es wurde hinausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt Teufel und Satan..." (Offenbarung 12.9)
"Und er ergriff den Drachen, die alte Schlange, das ist der Teufel und der Satan und fesselte ihn für tausend Jahre..." (Offenbarung 20.2)
Als ein weiterer Beleg hierfür gilt, dass Gott und der Teufel Gegenspieler sind. Grenouille sieht sich selbst als einen Gott der Düfte und sieht Gott als einen kleinen Stinker: "Er wollte der omnipotente Gott des Duftes sein, so wie er es in seinen Phantasien gewesen war, aber nun in der wirklichen Welt und über wirkliche Menschen." (S. 198) "Gott war ein kleiner Stinker. Er war betrogen, dieser Gott, oder war er selbst ein Betrüger, nicht anders als Grenouille- nur ein um so viel schlechterer!" (S. 200) Er will außerdem Menschen beherrschen, und zwar nicht aus Liebe, sondern "weil er durch und durch böse" ist. (S. 199) Man findet im ganzen Roman mehr oder weniger sichtbare Hinweise darauf, dass Grenouille eine Art Teufel ist. Nicht zuletzt die Ruchlosigkeit, mit der er die Mädchen umbringt, hat etwas Teuflisches. Auch sein Aussehen, so zum Beispiel der leicht verkrüppelte Fuß als Folge eines Sechsmetersturzes in einen Brunnen, oder sein Hinken erinnert an den Teufel.
Als eine weiterer Hinweis kann auch gesehen werden, dass alle Leute, mit denen sich Grenouille einlässt, oder vielmehr die sich mit ihm einlassen, früher oder später das Zeitliche segnen.
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