Mephistopheles - eine andere Teufelsgestalt in der Literatur
Mephistopheles, oder auch Mephisto genannt, ist der Name des Teufels in der Tragödie "Faust" von Johann Wolfgang von Goethe. Mephistopheles bietet im Prolog im Himmel dem Herrn eine Wette an, in der er behauptet, Faust vom richtigen Weg abbringen zu können. Der Herr geht auf diese Wette scheinbar ein und meint nur: "Es irrt der Mensch, solang' er strebt" (317). Er gibt auch eine Definition des Teufels, die Mephistos Rolle in der Tragödie beschreibt: "von allen Geistern, die verneinen, ist mir der Schalk am wenigsten zur Last." (338-339) und überlässt ihm Faust, ähnlich wie dies im Buch "Hiob" geschieht.
Gegenüber Faust charakterisiert sich Mephisto selbst und macht so die Motive seines Handelns klar: "Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles was entsteht ist wert, dass es zugrunde geht; drum besser wär's, dass nichts entstünde. So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, mein eigentliches Element." (1338-1344)
Er zeigt sich aber auch resigniert und frustriert über seine Arbeit und macht dies Faust deutlich:
"So viel als ich schon unternommen, ich wusste nicht ihr beizukommen, mit Wellen, Stürmen, Schütteln, Brand - Geruhig bleibt am Ende Meer und Land! Und dem verdammten Zeug, der Tier- und Menschenbrut, dem ist nun gar nichts anzuhaben: Wie viele habe ich schon begraben! Und immer zirkuliert ein neues frisches Blut. So geht es fort, man möchte rasend werden! Der Luft , dem Wasser entwinden tausend Keime sich, im Trocknen, Feuchten, Warmen, Kalten! Hätt' ich mir nicht die Flamme vorbehalten, ich hätte nichts Aparts für mich." (1365-1378)
Mephistopheles bietet Faust einen Pakt an, dass er ihm im Diesseits dienen und alle seine Wünsche erfüllen will. Dafür soll Faust im Jenseits sein Diener sein. "Ich will mich hier zu deinem Diener Dienst verbinden, auf deinen Wink nicht rasten und nicht ruhn; wenn wir uns drüben wiederfinden, so sollt du mir das gleiche tun." (1656-1659) Faust interessiert dieser simple Rollentausch nicht, er bietet Mephisto einen andere Wette an: Wenn er jemals aufhört, nach Genuss zu streben, so soll das sein Ende bedeuten. "Werd’ ich zum Augenblicke sagen: verweile doch! Du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde gehn! Dann mag die Totenglocke schallen, dann bist du meines Dienstes frei, die Uhr mag stehn, der Zeiger fallen, es sei die Zeit für mich vorbei!" (1699-1706)
Faust verlangt von ihm jedoch unmögliche Dinge: "Speise die nicht sättigt; ein Spiel, bei dem man nie gewinnt oder eine Frucht, die fault ehe man sie bricht." (1675-1687) Mephisto versteht ihn nicht, verspricht jedoch alles und macht einen Plan, wie er Faust überlisten kann: "Den schlepp ich durch das wilde Leben, durch flache Unbedeutenheiten, er soll mir zappeln, starren, kleben, und seiner Unersättlichkeit soll Speis’ und Trank vor gier’ gen Lippen schweben; er wird Erquickung sich umsonst erflehen, und hätt’ er sich auch nicht dem Teufel übergeben, er müsste doch zugrunde gehn! "(1860-1867)