Baldinis Pakt mit Grenouille

Den Pakt, den Grenouille und Baldini schließen, kann man wohl eher als einen Zweckverband bezeichnen. "Der Zweck heiligt die Mittel" ist das Motto, unter dem ihre Zusammenarbeit steht. Beide sind aufeinander angewiesen, um ihre jeweiligen Ziele und Träume zu verwirklichen. Baldini sieht in Grenouille ,,einen mit Gold gar nicht aufzuwiegenden kleinen Dreckskerl" (S. 134), der für ihn nur einen Nutzen hat. Mit Hilfe "dieses Gnoms, dieser kleinen schwarzen Kröte, dieses Hexenmeisters" will er auf seine alten Tage noch einmal richtig reich werden. Doch er ,,ekelt" sich vor ihm und sieht Grenouille nur als Mittel zum Zweck.

Ähnlich ergeht es Grenouille. Schon beim ersten Aufeinandertreffen weiß er, dass er bei Baldini bleiben möchte. Er will von ihm lernen. "Nicht das Mischen von Parfüms, nicht die rechte Komposition eines Duftes, natürlich nicht! Auf diesem Gebiet gab es niemand auf der Welt, der ihn (Grenouille) etwas hätte lehren können..." (S. 121)

Was er lernen will, sind, die Kenntnisse jener handwerklichen Verfahren, nach denen man "Duftstoffe herstellte, isolierte, konzentrierte, konservierte und somit für eine höhere Verwendung überhaupt erst verfübar machte. " (S. 121)

Aus diesem Grund schließen Grenouille und Baldini auch eine Vereinbarung - den "Pakt" -, zu ihrer beiden Nutzen und Vorteile. Doch merkt Baldini gar nicht richtig, dass auch Grenouille von ihm profitiert. Baldini meint vielmehr, dass nur er die Nutzen aus diesem Pakt zieht, obwohl Grenuille ebenso daran interessiert ist.

Baldini lehrt Grenouille die Kunst eines Parfümiers und Grenouille "dient dieser handwerkliche Komment als willkommene Tarnung." (S. 120) Grenouille ist von nun an für die Herstellung von Parfüms, Cremes und Puder, Seifen, Haarlotionen, Wasser und Ölen verantwortlich. Kurzum, "alles, was zu duften hatte, duftete jetzt neu und anders und herrlicher als je zuvor." (S. 126) "Baldini verbot ihm schließlich sogar, neue Düfte anzusetzen, ohne dass er, Baldini, mit Feder und Papier zugegen war, den Prozess mit Argusaugen beobachtete und Schritt für Schritt dokumentierte." (S. 118) So wird fur Baldini das "Wunder Grenouille" leichter verständlich und er bewahrt ,,sein parfümistisches Weltbild vor dem vollständigen Kollaps" (S. 118) "Nach einer Weile glaubte er von sich sogar, zum Gelingen der sublimen Düfte nicht unwesentlich beizutragen. " (S. 118) So "lullt" Grenouille Baldini ein und lässt ihn glauben, dass er noch der ,,Herr im Hause" sei. Er lässt er für Baldini erst gar keine Zweifel aufkommen. Als Lohn für seine Arbeit bei Baldini erhält Grenouille dann auch schlussendlich einen Gesellenbrief, der ihn unter dem "Mantel einer bürgerlichen Existenz" leben lässt.

Zwar muss Grenouille dafür 3 Bedingungen erfüllen, bevor er weiter nach Grasse ziehen darf, doch sind das für ihn keine großen Hindernisse.

"Erstens darf er sämtliche unter Baldinis Dach entstandenen Parfüms künftig weder selbst herstellen noch ihre Formel an Dritte weitergeben; zweitens muss er Paris verlassen und darf es zu Baldinis Lebzeiten nicht wieder betreten; und drittens habe er über die beiden ersten Bedingungen absolutes Stillschweigen zu bewahren." (S. 139)

Doch was sind das schon für Bedingungen für ihn, er will nur diesen Gesellenbrief haben, damit er ungestört nach Grasse ziehen und dort die neuen Techniken der Duftgewinnung erlernen kann:

"Es gibt deren drei, mein Sohn: die enfleurage à chaud, die enfleurage à froid und die enfleurage à l’ huile Sie sind dem Destillieren in vieler Hinsicht überlegen, und man bedient sich ihrer zur Gewinnung der feinsten aller Düfte." (S. 136-137) Dies ist für Grenuille dann auch die weitere Motivation auf seinem Weg.

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