Richis Beziehung zu seiner Tochter Laure

Laure ist für ihren Vater das Kostbarste, was er besitzt. Wegen ihrer Schönheit fällt sie in Grasse sehr auf - es heißt, dass sie von allen angestarrt wird. In den gesellschaftlichen Aufstiegsplänen des Vaters spielt sie, wie oben schon erwähnt wurde, eine wichtige Rolle.

Richis tut sein Bestes, um seine Tochter zu beschützen. Er selbst findet sie aber auch sehr schön, und so kommen manchmal inzestuöse Phantasien in ihm auf, wenn er seine Tochter ansieht. Denn dann erwischt sich Richis dabei, dass er für eine unbestimte Zeit die Welt und damit seine Geschäfte vergisst. Er löst sich dann vollkommen in der Betrachtung des Mädchens auf und weiß nicht mehr, was er getan hat. Und wenn er sie abends zum Schlafen bringt und noch eine Weile an ihrem Bett sitzt oder morgens in ihr Zimmer geht, um sie zu wecken und sich durch das Nachtgewand die Formen ihres Körpers abdrücken, da ballt sich sein Magen und seine Kehle wird eng, aber er unterdrückt dieses Gefühl. Und er verflucht sich, weil er der Vater dieser wunderschönen Tochter ist und kein anderer dahergelaufener Mann, der sich ohne Bedenken mit all seiner Begehrlichkeit an sie, in sie und auf sie legen könnte. Er muss immer wieder eine grauenvolle Lust in sich erwürgen.

Man fragt sich, warum er nicht wie die anderen Grasser Bürger seine Tochter in Sicherheit bringt?

Richis schickt seine Tochter Laure nicht weg, weil er meint, als zweiter Konsul sollte er ein Vorbild für seine Mitbürger sein. Außerdem ist Richis ein Mann, der sich seine Entschlüsse nicht von anderen vorschreiben lässt, also auch nicht von einem Mörder. Eines Tages hat Richis jedoch einen denkwürdigen Traum, der ihn dazu bringt, seine Entschlüsse zu verändern: Er sieht seine Tochter Laure in einem wunderschönen blauen Kleid. Sie spaziert im Garten herum. Hinter einer Hecke verschwindet sie einen Augenblick länger, als Richis es erwartet hat und er denkt sofort, dass sie tot ist. Doch plötzlich taucht sie hinter der Hecke wieder auf. Als er aufwacht, rennt er erschrocken in ihr Zimmer, findet sie jedoch unversehrt wieder. Dieser Traum hat zur Folge, dass Richis sich einen Fluchtplan ausdenkt, um dem Mörder zu entwischen.

Um seine Tochter zu schützen, inszeniert Richis eine Hochzeit mit dem Sohn des Baron de Bouyon. So solle seine Tochter gerettet werden, da er weiß, dass eine verheiratete Frau für den Mörder nicht in Frage kommt. Aber weder ist die Hochzeit abgesprochen, noch ist seine Tochter in Sicherheit. Also will Richis sie erst ins Kloster Saint-Honorat bringen, wo er mit den Mönchen eine gute Bekanntschaft pflegt. Von dort aus will er dann nach Vence gehen, wo sein Notar und der Baron auf ihn warten. Damit Bouyon überhaupt seinen Vorschlag annimmt, hat sich Richis ein unwiderstehliches Angebot einfallen lassen: er würde seine Schulden übernehmen (40 000 Livre),eine Mitgift im gleichen Wert, diverse Ländereien.... Die einzige Einschränkung die, Richis verlangt, ist, dass die Hochzeit in weniger als zehn Tagen stattfinden soll.

Weiter mit Richis als Gegenspieler Grenouilles
Zurück zu Charakterisierung Antoine Richis

Zurück zur Hauptseite