Kapitel 8 - Grenouilles erster Mord
Interpretation
Am Anfang des 8. Kapitels wird auf das Finale am Schluss des Buches angespielt. Wie auch am Ende widersteht Grenouille als einziger der Massenverführung: Im 8. Kapitel lässt der König ein Feuerwerk abbrennen, von dem sich Grenouille jedoch nicht beeindrucken lässt, während alle anderen staunend zum Himmel blicken. In Kapitel 49 ist er der einzige, der bei dem Bacchanal nicht mitfeiert. Während er hier noch ein unbeteiligter Außenstehender ist, wird er später selbst zum großen Verführer.
Der Höhepunkt des 8. Kapitels ist die Begegnung mit dem Mädchen. Zuvor erzeugt der Autor eine große Spannung, da er Grenouille den Duft immer wieder verlieren lässt, dieser jedoch mit aller Gewalt versucht, ihn zu behalten und zu besitzen.
Das Motiv für den Mord ist der atemberaubende Duft des Mädchens. Da er diesen Geruch nicht verlieren will, tötet er sie: "Für Grenouille stand fest, dass ohne den Besitz des Duftes sein Leben keinen Sinn mehr hatte." (S.55) Doch anders als bei der Mordserie in Grasse ist dieser Mord nicht geplant, er geschieht sozusagen im Affekt:Sie war so starr vor Schreck, als sie ihn sah, dass er viel Zeit hatte, ihr seine Hände um den Hals zu legen. Sie versuchte keinen Schrei, rührte sich nicht, tat keine abwehrende Bewegung. Er seinerseits sah sie nicht an. (...) er hielt seine Augen fest geschlossen, während er sie würgte, und hatte nur eine Sorge, von ihrem Duft nicht das geringste zu verlieren (S.56)
Auch auf das Ende des Romans wird in dieser Szene angespielt, jedoch unter umgekehrten Vorzeichen. Das Buch endet mit dem Mord an Grenouille, welcher von etwa 30 Personen begangen wird. Sie zerreißen, zerteilen und essen ihn, da sie ihn für einen Engel halten und jeder ein Stück von ihm haben will. Grenouille erscheint aber nur durch das Parfum, das er aus den ermordeten Mädchen erstellt hat, engelsgleich. Also ist auch bei diesem "Mord" das Motiv der Duft, nur dass der Täter zum Opfer wird.
Grenouille riecht das Mädchen nach dem Mord "welk". Es wird also als Blume dargestellt, die gerade erblüht ist und einen Duft versprüht, der Grenouille anzieht. Er pflückt diese Blume, indem er das Mädchen umbringt. Wenn man eine Blume gepflückt hat, beginnt sie zu welken und duftet nur noch kurze Zeit, und auch das Mädchen fängt an zu welken und hört auf, Duft auszuströmen: Als er sie welk gerochen hatte, blieb er noch eine Weile neben ihr hocken, um sich zu versammeln, denn er war übervoll von ihr. Er wollte nichts von ihrem Duft verschütten. (S.56) Danach lässt er das Mädchen in dem Hof liegen und verschwindet, so wie jemand, der eine welke Blume einfach wegwirft.
Dieser erste Mord ist ein Schlüsselerlebnis für Grenouille, denn durch das Töten des Mädchens werden ihm Sinn und Ziel seines Lebens klar. Er wird sich seiner genialen Begabung bewusst und glaubt, dass "sein Leben Sinn und Zweck und Ziel und höhere Bestimmung habe: nämlich keine geringere, als die Welt der Düfte zu revolutionieren." (S.57) Grenouille hat nun den Kompass für sein künftiges Leben gefunden" (S.57) und beschließt, der größte Parfumeur aller Zeiten" (S.58) zu werden.