Erzähleranalyse

Zu einer vollständigen Arbeit über einen Roman gehört auch, den Erzähler zu analysieren, das heißt, seine Erzählweise zu bearbeiten und darzustellen, wie der Erzähler in seinem Roman vorgeht: In diesem Roman wird deutlich, dass der Erzähler ein auktorialer Erzähler ist, d.h., dass er einen allwissenden Standpunkt hat. Er weiß alles über seine Figur, er kennt ihre Gedanken und Gefühle sowie die Handlungen, die sie unternimmt, das heißt auch, dass er sein Wissen über die Zeitgeschichte in seiner Erzählung einführt, der Erzähler weiß nämlich alles über das damalige und das aktuelle Frankreich und zeigt bei der Parfumherstellung Kenntnisse. Er gibt sich als Zeitgenosse der Gegenwart zu erkennen, als er ganz am Anfang sagt: «Es herrschte in den Städten ein für uns moderne Menschen kaum vorstellbarer Gestank." (5). Er vermittelt aber auch zwischen dem Leser und seinen Figuren, was auch ein Merkmal für den auktorialen Erzähler ist. Auf S.188 fasst er z.B. Grenouilles Gestammel in einem verständlichen Deutsch zusammen: »Was wir hier der Verständlichkeit halber in ordentlicher indirekter Rede wiedergeben, war in Wirklichkeit ein halbstündiger, von vielen Hustern und Keuchern und Atemnöten unterbrochener blubbernder Wortausbruch...". Es sind auch Rückblenden im Roman vorhanden, z.B. als Grenouille bei dem Gerüchebeschwören in seiner Höhle an das Mädchen zurückdenkt, das er als erstes umgebracht hat. Dies erkennt man daran, dass Grenouille auf einmal wieder in Paris ist: Er ging durch den dunklen Gang von der Straße in den Hinterhof. Er ging auf den Lichtschein zu. Das Mädchen saß und schnitt Mirabellen auf. Von weit her krachten die Raketen und Petarden des Feuerwerks ..." (167). Außerdem macht der Erzähler immer wieder Vorausdeutungen, z.B. bei dem Schicksal, das Madame Gaillard 50 Jahre später ereilen wird: «... das war im Jahre 1799. Gottseidank ahnte Madame nichts von diesem ihr bevorstehenden Schicksal, als sie an jenem Tag des Jahres 1747 nach Hause ging und den Knaben Grenouille und unsere Geschichte verließ.' (40)
Der Erzähler kann auch an zwei Stellen gleichzeitig sein. Dies ist an der Stelle der Fall, wo Grenouille Monsieur Richis und seine Tochter verfolgt. Der Erzähler weiß genau, wo Grenouille und Richis mit seiner Tochter sich jeweils aufhalten und was sie tun: "Zu dem Zeitpunkt, da Laure Richis mit ihrem Vater Grasse verließ, befand sich Grenouille am anderen Ende der Stadt..." (267)
Der Erzähler verwendet drei verschiedene Formen der Personenrede: Er benutzt die direkte Rede , z.B. bei der "Katastrophe", als Grenouille feststellt, dass er sich nicht selber riechen kann: "Es ist nicht so, dass ich nicht rieche. Es ist vielmehr so, dass ich nicht rieche, dass ich rieche..." Hier spricht also Grenouille selbst. Häufig kommt jedoch auch die indirekte Rede vor, d.h., dass der Erzähler seine Figuren nicht direkt miteinander sprechen lässt, sondern das Gespräch wiedergibt. Das trifft z.B. für das oben erwähnte Gestammel zu. "...ließ er seinen Anfall abebben und erzählte mit ruhiger werdender Stimme, dass er als Parfumeur eine berufsbedinqt feine Nase besitze und immer schon, besonders aber jetzt in der Zeit der Genesung, auf gewisse Parfums sehr heftig reagiere... " (187)

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