Erzählerbericht & erlebte Rede

Sehr typisch für den Roman ist, dass der Erzähler zwischen Erzählerbericht und erlebter Rede wechselt. Das heißt, dass der Erzähler das fiktiv miterlebte, beobachtete oder in Erfahrung gebrachte Geschehen in einem kontinuierlichen Zusammenhanng referiert und dann plötzlich aus dem Bewusstsein der Wahrnehmung seiner Figur heraus schreibt. Beispiele dafür sind, als er im Kapitel 29 sagt: "Die Katastrophe war kein Erdbeben, kein Waldbrand, kein Bergrutsch und kein Stllteneinsturz." Bei diesem Beispiel kommentiert der Erzähler das Geschehen, wenn er hinzufügt: "Sie war überhaupt keine äußere Katastrophe, sondern eine innere und daher besonders peinlich...... (170) "Peinlich ist ein Ausdruck für ein Schamgefühl. Grenouille kennt jedoch weder Schuld- noch Schamgefühle. Es kann sich also nur um einen Kommentar des Erzählers zu den Ereignissen handeln, allerdings, und auch das ist typisch für den Roman, um keinen offenen, sondern um einen versteckten. Dahinter verbirgt sich die kritische Distanz des Erzählers zu seiner Figur.

Etwas später macht er aber einen Übergang zur erlebten Rede und zeigt dabei Grenouilles Gedanken: "Es war doch gut, dass diese äußere Weit noch bestand, und sei's nur als Fluchtpunkt." (172)

Ein anderes Beispiel für den Erzählerbericht tritt im Kapitel 29 auf, als erst gesagt wird: "Er hockte sich vor die Höhle auf den Boden. Das Sonnenlicht wärmte ihn." (172) Der Erzahlerbericht beschreibt meist die Außensicht: "Der Wind blies kalt, und er fror" , manchmal aber auch die Innensicht: "... aber er merkte nicht, dass er fror, denn in ihm war eine Gegenkälte, nämlich Angst." (175). Die erlebte Rede beschreibt nur die Innensicht. Die Innensicht ist die Erzählperspektive, bei der der Erzähler in das Innere der Personen hineinsehen kann. Er kennt somit Gedanken, Gefühle und Vorstellungen des jeweiligen Charakters, so wie es in dem Roman häufig der Fall ist. Die Innensicht kann auch durch den inneren Monolog dargestellt werden, der unausgesprochene Gedanken und Ahnungen einer handelnden Person wiedergibt. Dies geschieht - im Gegensatz zur erlebten Rede - in der Ich-Form, was in diesem Roman kaum vorkommt, denn hier überwiegt die erlebte Rede, die die Gedanken in der Er- oder Sie-Form wiedergibt.

Eine Besonderheit des Erzählstils ist die Stelle des Romans, in der das Gespräch zwischen Baldini und seinem Gesellen Chénier im Dialog präsentiert wird. Der Erzähler tritt hier hinter die Figuren völlig zurück. (Vgl. S. 63f.)

In dem Roman haben wir sichtlich eine Zeitraffung, denn die erzählte Zeit von rund 29 Jahren, also von Grenouilles Geburt bis zu seinem Tode, übertrifft bei weitem die Erzahlzeit, also die Zeit, die man braucht, um den Roman zu lesen. In einigen Szenen herrscht jedoch Zeitdeckung, z.B. im oben erwähnten Dialog oder bei der Befragung von Grenouilles Mutter nach seiner Geburt (S. 9). Eine Zeitdehnung kommt bei Schlüsselszenen vor, z.B. als Grenouille seinen Schrei ausstößt nach seiner Erkenntnis, dass er keinen Eigengeruch hat. (S.171)

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