Ein Weg durch die Stadt mit allen Sinnen: Sehen

Xander ging durch die Altstadt, über der gerade die orangefarbene Sonne unterging. Er schaute nach oben und sah das ungleich verteilte Abendrot am Himmel leuchten. An einigen Stellen des Himmels war das Rot sehr viel kraftvoller als an anderen. Xander wand seinen Blick wieder vom Himmel ab und guckte nach vorne. Vor ihm ging ein ca.17jähriges Mädchen mit sonnengebräunter Haut entlang. Er sah die Unebenheiten ihrer Haut und die wenigen blonden Haare auf den Armen sitzen. An der Schulter saß ein winziges Muttermal, was ihm nur durch die etwas dunklere Verfärbung der Haut auffiel. Eine schwarze Haarsträhne fiel über das Mal und Xander sog dieses Schwarz förmlich in sich hinein, denn etwas dunkleres als dieses Haar hatte er noch nie gesehen. Er schaute sich die Haarsträhne so lange und aufmerksam an, bis das Mädchen ihn schließlich ansah. Als Xander merkte, dass die Augen des Mädchens auf ihn gerichtet waren, schaute er kurz in ihre blauen Augen, die in der Dämmerung dunkler aussahen, als sie es eigentlich waren und wandte sich dann schnell ab. In ca.50m Entfernung erkannte er einen Urania-Falter, einen Schmetterling in den verschiedensten Farben. Er konnte genau die unzähligen winzigen Schuppen auf den Flügeln des Falters ausmachen, die farbenfroh in der untergehenden Sonne glitzerten. Xander sah sich besonders lang eine Schuppe an, die in einem eisigen Blau schimmerte. Er nahm diese, für ihn bisher unbekannte Farbe mit in sein geistiges Farbarsenal auf.
Während Xander weiter durch die Straßen schlenderte, ging die Sonne nun vollends am Himmel unter und die Sterne gingen auf. Er richtete seinen Blick nach oben und sah sofort den Ring des Neumondes am Himmel stehen. Auch den weißen Nebel der Milchstraße konnte er erkennen. Als er wieder geradeaus schaute, sah er in der für normale Augen völlig dunklen Gasse eine schwarze Katze sitzen. Er starrte das Tier an, welches er so gut sehen konnte wie bei Tageslicht.
Doch nun lenkte ein riesiges Gebäude, was von einem unnatürlich gelb-weißem Licht beleuchtet wurde, seine Aufmerksamkeit auf sich. Er ging in das Haus, in dem die verschiedensten Waren zum Kaufen einluden. Xander schaute auf einen Teppich minderer Qualität. Der Teppich war an einigen Stellen gut und dicht gewebt, an anderen jedoch konnte er mit Leichtigkeit hindurchsehen. Über dem Teppich hing ein Spiegel, in dem Xander sich sehen konnte. Er streifte mit seiner Hand durch seine blonden Haare, die er zu einer Igelfrisur gestylt hatte und wischte sich ein paar Staubflusen von der Nase. Dann setzte er seinen Weg fort. Er nahm die Rolltreppe nach oben und sah die 2 Mädchen schon von weitem. Sie kicherten gerade. Diane-Alexandra trug ein weißes Top und eine Jeansjacke, über die ihre glatten roten Haare fielen. Sie hatte sich eine Halskette aus Silber, die eng am Hals lag und mehrfach um diesen gewickelt war, umgelegt. Zudem hatte sie eine dunkelblaue Jeans an und eine schwarze Umhängetasche baumelte an ihrer Schulter. Angela-Drusilla strich sich gerade eine Haarsträhne von ihrem Top. An ihrem Bauchnabel blitzte ein kleiner metallener Ring auf. Sie trug eine rosa Stoffhose, die ihre Stiefel fast unter sich begrub. Gerade als er bei den Mädchen ankam sah er Sarah Michelle Gabrielle - wie immer die letzte - die Treppen hochkommen. Sie lachte und er sah, wie ihr Zungenpiercing in ihrem Mund aufblitzte. Ihre blonden Haare waren rechts und links zu zwei Pferdeschwänzen gebunden und fielen in großen Locken auf ihre Schultern hinab. Sie trug ein schwarzes Minikleid, über das sie eine schwarze Lackjacke gezogen hatte. Während sie näher kam, wurde das Klicken ihrer Stiefel immer lauter.
Auf einmal sahen sie ein Mädchen, welches Diane nicht besonders gut leiden konnte. Diane schlich sich von hinten an sie heran und schrie ihr laut: "Booh!" ins Ohr. Das Mädchen fuhr herum, starrte Diane wütend an und meinte: "Sag mal, spinnst du?" Diane ging zurück zu ihren Freunden und bekam von Sarah gleich eine Verwarnung: "Musst du es immer ausnutzen, dass andere Leute dich nicht hören können?" Auf ihren Lippen konnte er aber die winzige Andeutung eines Lächelns erkennen.
Jeder von den vieren hatte einen der 5 Sinne besonders stark ausgeprägt, aber dafür auch etwas verloren. Xander selbst konnte sehr gut sehen, wurde aber von anderen Leuten erst sehr spät bemerkt.
Sarah und Angela waren Schwestern, die z.B. die Gefühle anderer Menschen erfühlen konnten. Und Diane konnte sehr gut hören, wurde aber selber nicht gehört.

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