Joachim Gauck an der Deutschen Schule Barcelona

    Am 2. November nahmen alle Schüler der neunten, elften und zwölften Klassen der Deutschen Schule Barcelona, an einem Vortrag von Joachim Gauck, einer wichtigen Personen der deutschen Geschichte, teil.

    Joachim Gauck wurde 1940 in Rostock geboren und studierte dort Theologie. Nur in der Kirche konnte man frei sprechen, dort wurden die Menschen nicht ausspioniert, und darum entschied er sich für das Studium der Theologie. Nach dem Studium wurde er Pastor in Lussow und ging 1971 nach Rostock-Evershagen. Neben den Gottesdiensten begann Joachim Gauck in der Endphase der DDR sich politisch zu engagieren und war Mitglied des Neuen Forums. Heute ist er Vorsitzender der Vereinigung "Gegen Vergessen - für Demokratie". Er kämpfte als Politiker für die Veröffentlichung der Stasi-Unterlagen und somit für das Recht jedes einzelnen, zu wissen, wer ihn ausspioniert hat und was die Stasi über ihn geschrieben hat.

    Während des Vortrags an unserer Schule hat uns Joachim Gauck in das Leben eines Ostdeutschen, der in der DDR lebte, eingeführt, so dass wir einen viel lebendigeren Überblick über die damalige gesellschaftliche Situation der DDR bekamen, als sie uns ein Lehrer oder ein Buch bieten können. Gauck hat uns einen lebhaften Eindruck vom Leben in einer Diktatur gegeben. Wir als Schüler konnten uns in ihn hineindenken. Dank seiner Beispiele und Erzählungen konnten wir uns ein genaues Bild machen und uns in das leben eines Kindes während des DDR-Regimes hineinversetzen. Wir konnten seine Erlebnisse nachvollziehen und die ganze Atmosphäre der DDR spüren. Mit Hilfe vieler Beispiele sind uns viele Merkmale der kommunistischen Diktatur und des Aufbaus der Gesellschaft klar geworden, wie zum Beispiel verschiedene Parteiorganisationen aufgebaut waren, um jede einzelne Person in dieses totalitäre System hineinzuzwingen. Es wurde sehr anschaulich, dass es unmöglich war, in dieser Gesellschaft aufzusteigen, wenn man nicht den Ideen des Systems folgte.

    Er erzählte, wie es schon in der Grundschule die "Jun-gen Pioniere" gab, die sehr attraktiv für die Kinder waren, die man eigentlich mit der Hitler-Jugend ver-gleichen kann. Weiter gab es verschiedene Jugendor-ganisationen. Das einzige Ziel solcher Organisationen war es, die Kinder von den kommunistischen Ideen zu überzeugen. Letztendlich war es unmöglich, im beruflichen Bereich aufzu-steigen oder die Reife-prüfung zu bekommen, wenn man nicht Mitglied der Partei oder einer parteinahen Organisation war. Es war einfach unglaublich, wie die Kommunisten versuchten, fast alle Lebensbereiche zu erfassen und zu beeinflussen! Die Propaganda der DDR ersetzte die freie Presse und Kultur in allen Lebensbereichen.

    Für uns Schüler war es hochinteressant, ihm zuzuhören. Einerseits konnten wir uns nun vorstellen, wie es sein würde, wenn wir als Jugendliche in einem System wie der DDR leben würden, andererseits wurden wir auch mit der Frage konfrontiert, ob man die Vergangenheit einfach vergessen soll oder ob die Menschen ein Recht haben, nach Antworten zu suchen, um eine bessere und ehrlichere Zukunft aufzubauen. Die Vergangenheit sollte nie ein Geheimnis sein, sondern ganz im Gegenteil: Sie soll offen sein, damit wir nicht die gleichen Fehler wiederholen.

    Cristina Torres, Gabriel Hanfland, 12 A