Erdkundeexkursion zum Raval

Klasse 10a – April 2003

 

Wenn man heute an den Raval denkt, dann meint man immer noch, dass es dort furchtbar aussieht, dass man an jeder Ecke einen Fixer oder eine Prostituierte finden kann. All das stimmt aber nicht mehr ganz. Der Raval ist, wenn man so will, zweigeteilt, in den Nord- und Südraval. Im nördlichen Teil wurde so einiges verändert. Man kann neue Wohngebäude finden und die Läden, die es dort gibt, sind modern und verkaufen nicht, wie man annehmen könnte, Ramsch. Man kann in diesem Stadtteil alte und neue Häuser nebeneinander stehen sehen. Am stärksten ist wohl doch der Kontrast bei dem Museum moderner Kunst (MACBA) und den restlichen Gebäuden darum herum. Jetzt, da man im Norden "aufgeräumt" hat, sieht man dort auch immer mehr Touristen, anders aber im Südraval...

 

Der Unterschied zwischen dem nördlichen und südlichen Teil des Ravals ist wirklich sehr groß. Man kann es fast nicht glauben. Bei einem Spaziergang von Norden nach Süden läuft man zuerst ganz gemütlich an mehr oder weniger teuren Geschäften, Restaurants, usw. vorbei. Alles ist schön gepflegt…Aber  plötzlich sieht man nur noch schmale Straßen und dunkle Geschäfte. Was am meisten erstaunt, sind die Menschen, die man dort antrifft. Vorher waren es im Norden Studenten, jetzt sind es vor allem um die dreißig- bis vierzigjährige Philippiner, Pakistaner, Marokkaner … Die Atmosphäre hat sich auch geändert. Es ist lauter und irgendwie auch bunter geworden.

 

Genau dasselbe ist uns passiert. Wir hatten „La Casa de la Caritat, das MACBA, das „Convent dels Àngels“, usw. hinter uns gelassen. Vor uns lag fast eine Art Expedition. Alles Interessante sollte jetzt kommen, wie uns unsere Führerinnen eifrig erklärten («…això també us ho ensenyarem a la segona part del recorregut… »). Jetzt ging es erst richtig los. Wir bogen in eine etwas schmalere Straße ein und befanden uns, ganz unerwartet, im „Hospital de la Santa Creu“, auch „Hospital de Pobres“ genannt. Heutzutage wird es als Bibliothek benutzt. Dort fand der erste Kontakt zwischen jemandem aus dem Raval und uns statt. Zwei Männer gaben uns ihre Meinung über die Tatsache kund, dass wir ihnen den Weg versperrten, kund kurz danach erfuhren wir, dass in diesem Krankenhaus der berühmte Architekt Antoni Gaudí gestorben ist. Man hatte ihn wegen seiner Klamotten für einen Armen gehalten und deshalb ins „Krankenhaus der Armen“ eingeliefert.

 

Nachdem wir den Garten des Krankenhauses überquert hatten, fanden wir uns in einer schmalen Straße wieder. Die Querstraße war nur 2,5 Meter breit, damit ihr euch eine Idee von der Enge im Südraval machen könnt. Für uns war es eine neue Welt. Es handelt sich wahrscheinlich um ein hauptsächlich von Arabern bewohntes Viertel, wie wir an einer kleinen Moschee, islamischen Metzgereien und sogar islamischen Friseusen erkennen konnten. Menschen gingen von einem Geschäft zum anderen, in Häuser rein und wieder raus… Es war wirklich sehr viel los hier. Nach einer Weile erreichten wir die “Rambla Nou del Raval”. Sie wurde vor nicht allzu langer Zeit  gebaut, um ein bisschen Platz in das Straßenlabyrinth, aus dem der Südraval besteht, zu schaffen. Wenn wir daran denken, wie viele Menschen in den fünf Häuserblöcken gewohnt haben könnten, die hier davor standen… Viele von ihnen sind jetzt wohl obdachlos geworden? Keiner von ihnen kann sich die nagelneuen Wohnungen leisten, die auf der anderen Straßenseite entstanden sind. Eigentlich passt diese Rambla nicht wirklich hier hin.

Der Rest der Exkursion ging sehr schnell vorbei. Wir bewegten uns nur noch im südlichen Teil des Viertels. Die Straßen wurden immer kleiner und dunkler. Ohne unsere Führerin wären wir hier ganz verloren gewesen, aber sie kannte sich bestens aus. Ehrlich gesagt könnte ich unseren Weg nicht auf einer Karte wiedergeben. Wir gingen an Mauerresten, engen Häusern, Sportvereinen, Bars und sogar an einer kleinen Kapelle vorbei. Am Schluss kehrten wir zur Rambla Nou del Raval zurück. Dort trennt wir uns und suchten uns in Kleingruppen unseren Weg zur Plaza de Catalunya, wo wir uns schon morgens getroffen hatten.

 

 

Impressionen: Inés Uzandizaga und Katharina Dörfler

Fotoreportage:  Christina Riudalbas


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