Max Mannheimer spricht vor Schülern der DS Barcelona

    Durch die Vermittlung des Goethe-Instituts war es möglich, den Zeitzeugen Max Mannheimer an die DS Barcelona einzuladen. Am 15. Mai 2008 berichtete er unseren Schülern des 11. Jahrganges und interessierten Lehrern aus seinem Leben und stellte sich deren Fragen. Auf der Rückseite seines im Jahre 2000 erschienenen Buches "Spätes Tagebuch" ist zu lesen:

    Max Mannheimer hat alles durchlitten, was einem Menschen in dem von den Deutschen entfesselten Inferno zustoßen konnte: Demütigung, Vertreibung, Internierung im Ghetto, Tod fast der ganzen Familie in der Gaskammer, Arbeitslager und KZ, Hunger, Krankheit und Misshandlung. Wie durch ein Wunder hat er die Hölle überlebt. Mannheimer sprach nicht über das, was er erlebt hatte. Erst, als er irrtümlich seinen Tod nahe glaubte, entschloss er sich, für die Nachgeborenen das Erlittene festzuhalten.

    Max Mannheimer, geboren 1920 in Neutitschein/Tschechoslowakei, war gelernter Kaufmann. Nach der Besetzung des Sudetenlandes übersiedelte er nach Ungarisch Brod, wurde 1943 nach Auschwitz deportiert, im Oktober 1943 als "Arbeitsjude" nach Warschau überstellt und kam im August 1944 nach Dachau. Am 30. April 1945 wurde er von amerikanischen Truppen befreit. Er lebt heute in der Nähe von München und erhielt zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen. Heute ist Max Mannheimer unermüdlich tätig in Vorträgen, Diskussionen und Führungen durch die KZ-Gedenkstätte Dachau. Seit 1988 ist er Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau. In zahllosen Veranstaltungen, vor allem auch in Schulen, leistete er die schmerzliche Arbeit der Erinnerung und ist so ein unentbehrlicher Streiter für unsere demokratische Kultur.
    "Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon" (Max Mannheimer in einer Diskussion mit Schülern).

    Herr Mannheimer überraschte uns alle mit seiner offenen und auch heiteren Art, mit der er seinen Vortrag gestaltete. Das hatten wir, angesichts eines so ernsten Themas, nicht erwartet. Hin und wieder fragte er Schüler nach ihrer Herkunft und sprach kroatisch, ungarisch und tschechisch mit denjenigen, die diese Sprache beherrschen. Während seines Vortrages waren wir aber natürlich auch oft bedrückt und fassungslos, besonders dann, wenn er über die Trennung von fast allen Mitgliedern seiner Familie erzählte oder von seinen Erlebnissen in den Konzentrationslagern. Wie verzweifelt Menschen in den Lagern damals waren, machte die Schilderung eines Erlebnis deutlich, dass wir wohl niemals vergessen werden. Völlig erschöpft von den physischen und psychischen Qualen und der ständigen Todesangst war er nahe daran eines Tages während eines Arbeitseinsatzes einen Hochspannungszaun zu berühren und seinem Leben ein Ende zu setzen. Was dies verhinderte war die Frage seines damals 17jährigen Bruders: "Willst Du mich jetzt wirklich allein lassen?"

    Erstaunlich fanden wir, dass er in seinem späteren Leben noch die Kraft fand auch mit Neonazis zu sprechen, um sie zum Aussteigen aus der Szene zu bewegen. Unsere Schüler stellten eine ganze Reihe von Fragen ganz unterschiedlicher Art und selbst nach dem offiziellen Ende der eineinhalbstündigen Veranstaltung gingen noch etliche zu ihm an seinen Tisch, um das Gespräch weiterzuführen.

    Markus Richter
    (Fachleiter Geschichte)