INHALT
1.
Bedeutung des Begriffs “Konzeption”
2.
Beschreibung der Einrichtung
2.1
Gründung und Träger
2.2
Lage und räumliche Gegebenheiten
2.3
Gruppenaufbau
2.4
Personal
3.
Aufgabe und Besonderheit der Einrichtung
4.
Pädagogischer Arbeitsansatz und Methoden
4.1
Gruppenprogramme
4.2
Situativer Ansatz
4.3
Umwelt- und Sachbegegnung
5.
Elemente eines Tagesablaufs
6.
Freispiel: Warum ist es so wichtig?
6.1
Wie sieht das Freispiel aus?
6.2
.... und was beobachten wir dabei?
7.
Inhalte unserer Kindergartenarbeit
7.1
Soziale Entwicklung des Kindes
7.2
Wahrnehmungsbereiche und Motorik
7.3
Deutsche Sprache: Erlernen und Förderung
7.4
Spanischunterricht
7.5
Elternarbeit
1.
Bedeutung des Begriffs “Konzeption”
Die
Konzeption ist die Grundlage und Visitenkarte eines Kindergartens, das
Spiegelbild der realen Arbeit und für alle verbindlich.
Die
von allen Mitarbeiterinnen erarbeitete Konzeption ist die Eigendarstellung
unseres Kindergartens mit den Schwerpunkten unserer Arbeit unter Berücksichtigung
aller besonderen Umstände.
2.
Beschreibung der Einrichtung
2.1
Gründung und Träger
Der
Kindergarten ist der Deutschen Schule Barcelona (bikulturelle Begegnungsschule)
angegliedert.
Die
Schule wurde 1894 von Pastor Otto Amtsberg, dem Pfarrer der evangelischen
Kirchengemeinde gegründet.
Der
Kindergarten ist eine selbständige, private, deutsche Einrichtung, die weder
finanziell noch personell von der Bundesrepublik Deutschland gefördert wird. Träger
ist der Deutsche Schulverein, vertreten durch den Vorstand. Mitglied im
Schulverein können deutsche und spanische Staatsangehörige, sowie Angehörige
anderer Nationalitäten werden, die der deutschen Sprache und Kultur nahestehen.
Überwiegend sind die Mitglieder Eltern der Schüler. Für Firmen und
Unternehmen ist die Möglichkeit einer fördernden Mitgliedschaft gegeben.
2.2 Lage und räumliche
Gegebenheiten
Der
Kindergarten liegt außerhalb der Grosstadt Barcelona, in dem angrenzenden
Ortsteil “Ciudad Diagonal”, der zu Esplugues de Llobregat gehört. Die
Kinder, die die Einrichtung besuchen, kommen aus einem großen Einzugsbereich.
Ihre Wohnorte sind bis zu 30 km vom Kindergarten entfernt. Der Anfahrtsweg beträgt
im günstigsten Falle eine Viertelstunde, im Höchstfalle 1 ½ Std. Eine
Minderheit kann den Weg zu Fuß zurücklegen und den auch nur in Begleitung
eines Erwachsenen.
Der
Kindergarten ist zweistöckig. Für jede Gruppe ist ein Gruppenraum von
durchschnittlich 23 qm vorhanden. Große Fensterfronten geben viel Licht.
Außerordentlich
geräumig ist die Eingangshalle, von der aus alle Gruppenräume zu erreichen
sind. Im Zentrum der Halle befindet sich eine Tribüne, die für Vorführungen
und andere Aktivitäten benützt wird. Ein Gruppenraum liegt abseits, ebenso wie
das Büro und der Aufenthaltsraum des Kollegiums. Drei Waschräume mit Toiletten
für die Kinder, eine Toilette für Erwachsene, ein Materialraum im oberen Stock
und eine kleine einsehbare Küche mit Abstellkammer für Putzmaterial vervollständigen
die räumlichen Gegebenheiten. Zu erwähnen sind noch das große Außengelände
(Hof mit Sandkästen und Spielanlagen) und die drei Räume im Nebengebäude, die
für den Deutsch- und Spanischunterricht genutzt werden.
2.3
Gruppenaufbau
Der
Kindergarten besteht aus 15 Gruppen mit insgesamt ca. 270 Kindern überwiegend
spanischer und deutscher Nationalität.
Ab
Schuljahr 1999/2000 findet eine Strukturänderung des Gruppenaufbaus im
Kindergarten statt, die eine Umwandlung der altershomogenen Gruppen in
altersgemischte Gruppen zur Folge hat.
2.4 Personal
12 staatlich geprüfte Erzieherinnen und 3 Diplom-Sozialpädagoginnen sind
als Gruppenleiterinnen tätig.
1 Diplom-Sozialpädagogin hat Kindergartenleitung und gibt
Deutschunterricht.
1 Erzieherin gibt Deutschunterricht und ist als Zweitkraft in der
Gruppenarbeit tätig.
1 DaF-Lehrerin gibt Deutschunterricht
1
Licenciada en Filosofía y Letras, Sección Filología Hispánica, gibt
Spanisch unterricht und ist als
Zweitkraft in der Gruppenarbeit tätig.
2 Kindergartenhelferinnen
1 Pförtnerin mit Deutschkenntnissen
Praktikanten in pädagogischer Ausbildung sind zu unterschiedlichen Zeiträumen
in den Gruppen tätig.
3.
Aufgabe und Besonderheit der Einrichtung
Eines der Hauptanliegen der Vorschulpädagogik ist, das Sozialverhalten der
Kinder zu fördern und zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit beizutragen.
Aufgabe des Kindergartens ist nicht an erster Stelle das Kind kognitiv zu fördern,
sondern Grundlagen für ein kognitives Lernen zu legen. Im Kindergarten geht es
zuerst darum, den Kindern Raum und Zeitmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen,
um ihnen Platz für eigene Gestaltungsideen zu lassen. Unser Kindergarten hat
zusätzlich die Aufgabe, drei - bis sechsjährigen Kindern vorwiegend deutscher
und spanischer Nationalität die deutsche Sprache und die deutsche, spanische
und katalanische Kultur zu vermitteln, sie intensiv zu pflegen und die Kinder
auf die Anforderungen der bikulturellen Deutschen Schule vorzubereiten.
Diese Aufgabe durchwirkt unsere gesamte pädagogische Arbeit.
4.
Pädagogischer Arbeitsansatz
4.1
Gruppenprogramme
Der äußere Rahmen, an dem wir unsere pädagogische Arbeit ausrichten, ist
der Jahreszeitenrhythmus und die Interesssen der jeweiligen Altersgruppen. Wir
beachten die wichtigsten deutschen, spanischen und katalanischen Festtage und
gestalten diese gemeinsam mit den Kindern. Das ergibt sich aus unserer Aufgabe,
diese verschiedenen Kulturen zu vermitteln und zu pflegen.
Die ausgewählten Aktivitäten werden im allgemeinen am Thema, welches das
Programm bestimmt, ausgerichtet. Sie sprechen alle Bereiche an, die für die
Entwicklung des Kindes wichtig sind. Jede Gruppenleiterin erstellt eigene
Programme für ihre Gruppe. Diese weisen Unterschiedlichkeiten auf, weil die
Angebote je nach Alterszusammensetzung und Deutschniveau der Gruppe variieren.
Nachstehend wird als Beispiel das Programm einer altersgleichen Gruppe von
Kindern im 2. Kindergartenjahr aufgeführt.
Programm für die Monate
September/Oktober
Thema : Unterwasserwelt
Viele Kinder
verbringen einen Teil des Sommers am Strand und am Meer, daher ist es
naheliegend, das Thema nach den Sommerferien aufzugreifen.
Angebote
innerhalb des Programms:
Folgende Bereiche, die für die Entwicklung
des
(Motivation)
Kindes von Bedeutung sind, werden
angesprochen
(Zielsetzung)
_____________________________________________________________________________
Gespräch:
Tiere die im Meer leben/
Sprachförderung
(Wortschatzerweiterung, eigene
Fisch
als Nahrungsmittel
Erlebnisse mitteilen können, zuhören können)
Bilderbuchbetrachtungen:
Regenbo-
Aufmerksamkeit und Konzentration
genfisch,
Swimmy, Ferien am Meer
Emotionaler Bereich (Sich-Identifizieren-Können
Diabetrachtung:
Fische im Meer
mit den Hauptpersonen der Geschichten)
Hörspielkassette:
Der Regenbogen-
Sprachförderung (Wortschatzerweiterung,
fisch
Anregung zum Gespräch)
Ausschneidearbeit:
Tintenfische
Feinmotorik
(sachgerechter Umgang mit Schere
aus
Karton und Kreppapier
und Klebstoff, Ausdauer und Konzentration)
Nass-in-Nass-Technik:
Malen eines
Kreativer
Bereich (Förderung des ästhetischen
Aquariums
mit Wasserfarben
Sinns und der Phantasie)
Feinmotorik (sachgerechter Umgang mit Pinsel und
Wasserfarben)
Arbeitsblätter
zum Thema:
Erfassen
und Umsetzen der gestellten Aufgaben
Unterwasserwelt
Feinmotorik
Sprachförderung (Vertiefung des Themas)
Dekoration
der Fenster:
Kreativität
Thema
Aquarium
Sozialer Bereich (Zusammenarbeit)
Einführen
eines neuen Materials:
Erfahrung mit einem bisher ungewohnten Material
Kleister
(taktile
Wahrnehmung), Sensibilisierung der Finger
Die
Kinder dürfen den Umgang mit
und Hände (Feinmotorik)
Kleister
an einem Tisch üben.
Lied:
“Wir wollen heute angeln
Musikalischer
Ausdruck
gehn”
(Gehörschulung), akustische Wahrnehmung
Emotionaler Bereich (Freude am Singen)
Kreisspiel:
“Brüderchen, komm
Musikalischer
Ausdruck und Körperbeherrschung
tanz mit mir”
Sozialer Bereich (Fähigkeit, sich auf den Partner
einzustellen)
Spiel
in der Halle:
Grobmotorik (körperliche
Geschicklichkeit)
“Herr
Fischer, Herr Fischer, wie
Sozialer Bereich (Rücksichtnahme)
tief
ist das Wasser ?”
Spiele
am Tisch:
Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen
Fisch
pass auf !
Ich
habe die ganze Nacht gefischt....
Rollenspiel:
Darstellung aus der
Sozialer
Bereich (Gemeinschaftssinn und Gruppen-Geschichte “Swimmy”
zusammengehörigkeit)
Fingerspiel
und Darstellung mit
Körperbeherrschung
(Koordinierung von Bewe-
Seidentüchern
:
gungsabläufen)
“Oh
schaut im Wasser blau und frisch”
Sozialer Bereich (Zusammenarbeit)
Ausflug:
Umwelt-
und Sachbegegnung
Besuch
des Aquariums in Barcelona
Sozialer Bereich (Wachsen der Gruppenzusammen-
gehörigkeit und Erlebnisbereitschaft)
Sinnliche Wahrnehmung (Direktes visuelles Erleben
der Unterwasserwelt)
Integration des Programms in den
Deutschunterricht
Neues Vokabular : “Unter dem Wasser”
Im Meer
: Das
Wasser ist kalt - warm
Im Meer gibt es viele Fische: Tintenfische, Langusten, Seesterne,
Seepferdchen, Haifische, Walfische, Clownfische, Anemonen, Muscheln.
Der Fisch : .... schwimmt im Wasser. Er schwimmt langsam -
schnell.
Der Fisch hat Schuppen, Flossen, einen Schwanz, Augen und einen Mund. Der
Regenbogenfisch ist schön.
Der Ausflug : Wir fahren mit dem Autobus. Wir gehen in das
Aquarium. Wir gehen langsam. Wir sind leise und hören zu. Wir sind im Tunnel.
Die Fische sind im Aquarium. Der Taucher macht das Aquarium sauber. Er füttert
die Fische. Wir sehen Theater (vom Clownfisch und vom Haifisch).
Basteln : Wir basteln einen Tintenfisch. Wir schneiden und
kleben. Wir malen ein Aquarium an das Fenster (mit Fingerfarben). Wir malen mit
Wasserfarben und Kleister. Ich male mit dem Pinsel. Ich hole Wasser (Kleister,
Farbe).
Das Angelspiel : Ich habe eine Angel. Ich angle den Fisch. Der Fisch
schmeckt gut.
4.2
Situativer Ansatz
Eine weitere Richtlinie unserer Arbeit ist das Prinzip der Aktualität. Sich
spontan ergebende Anlässe sind Ausgangspunkte für Lernerfahrungen z.B. ein
Kind bringt ein Haustier mit, Reparaturarbeiten im Kindergarten werden gemacht,
eine Mutter bringt ihr Baby mit ...
Wir integrieren auch spezielle Interessen der Kinder in die
Gruppenprogramme. Deshalb sind diese flexibel zu verstehen und werden je nach
Neigung und Ideen der Kinder abgewandelt und vertieft. Alle Erkenntnisse, die im
Zusammenhang mit einer Bereicherung der Umwelterfahrung und Sinneswahrnehmung
stehen, sind von besonderer Wichtigkeit für die ganzheitliche Entwicklung des
Kindes.
Der äussere Rahmen unserer Arbeit wird durch zeitliche und räumliche
Bedingungen beeinflusst. Die Vielfalt unserer Aktivitäten wird auf den
Tagesablauf abgestimmt, der u.a. durch gemeinsames Frühstück, gemeinsame Pause
und Stundenplan des Deutsch- und Spanischunterrichts vorgegeben ist.
4.3
Umwelt- und Sachbegegnung
Um die Kinder mit der Umwelt vertraut zu machen, sind verschiedene
Unternehmungen möglich, wie z. B.:
- Innerhalb des Kindergartens:
Kochen und Backen
Säen und Pflanzen
Verkehrserziehung
Besuch der Schulanlagen
- In der näheren Umgebung (zu Fuß):
Spielplätze / Picknick
Kasperltheater / Theater
Post- und Marktbesuch
- Ausflüge mit dem Bus:
Bauernhof
Zoo
Aquarium
Bäckerei
Fabrikbesichtigungen
Feuerwehr
Museo de la Ciencia
5.
Elemente eines Tagesablaufs
8.00 bis 8.45 Uhr Frühaufsicht in der Halle
Freispiel
Beginn der Kindergartenzeit um 8.45 Uhr mit Freispiel im Gruppenraum.
Die Kinder entscheiden selbst über Spielort, Spielmaterial und
Spielpartner. Zur Verfügung stehen
Bau- und Puppenecke, Verkleidungskiste, Maltisch, Bücherecke und Schrank mit
didaktischem Material.
Der Spielablauf wird von der Gruppenleiterin beobachtet und ggf.
beeinflusst.
Angeleitete Aktivitäten
zur Umwelt und Sachbegegnung (Gruppenprogramm), Gespräche, Finger- und
Bewegungsspiele, Lieder, Verse, Arbeitsblätter, Bilderbuchbetrachtung.
Pause im Turnus
von 10.00 bis 10.45 Uhr
von 11.00 bis 11.45 Uhr
Im Hof stehen den Kindern Sandspielsachen
zur Verfügung.
Gemeinsames Frühstück
Ruhepunkt innerhalb des Vormittags. Wir legen Wert auf Selbständigkeit der
Kinder und auf Ordnung.
Deutsch- und Spanischunterricht
in Kleingruppen
durchgeführt von Sprachlehrerinnen. Der Zeitpunkt ist je nach Gruppe
verschieden.
Angeleitete Beschäftigungen in
Kleingruppen
Dem Gruppenprogramm angemessene Aktivitäten, Förderung der
Wahrnehmungsbereiche und Motorik.
Ruhiger gemeinsamer Abschluss im
Gruppenraum
Hier bietet sich der Stuhlkreis an.
13.05 bis 13.55 Spätaufsicht
auf dem Hof, bei schlechtem Wetter in den Gruppenräumen.
Zur Bewegungserziehung
steht jeder Gruppe zu einer bestimmten Zeit eine Rhythmik- oder Sporthalle
zur Verfügung. Genutzt werden ebenfalls unsere Eingangshalle und das Aussengelände.
6.
FREISPIEL : Warum ist es so wichtig ?
Der Begriff Freispiel beinhaltet
ein pädagogisches Konzept, das von der Erzieherin hohe Fachkompetenz,
wirkliches Engagement und intensive Aufmerksamkeit verlangt. Das tägliche
Freispiel stellt eine der Prioritäten innerhalb der gesamten Kindergartenarbeit
dar, und hat deshalb seinen festen Platz im Kindergartenalltag. Es ist keine
Zeit, die man notgedrungen abwartet, bis alle Kinder da sind, um endlich mit der
“richtigen Arbeit” zu beginnen.
Das Freispiel hat seinen eigenen Wert. Im freien Spiel erwirbt das Kind alle
Kenntnisse und Fähigkeiten, die es braucht, um das Zusammenleben in der
Gemeinschaft zu lernen, kommunikationsfähig und aufnahmebereit zu werden und
sozial zu reifen. Im Spiel kann sich das Kind frei ausdrücken, mit Erwachsenen
identifizieren, kreativ werden, Ängste überwinden, Aggressionen abbauen und
seine Grob- und Feinmotorik üben. Besonders wichtig für das Kind ist auch die
Erfahrung, wie es im Spiel selbst Konflikte lösen kann und wie es mit anderen rücksichtsvoll
umzugehen lernt. Die beste Form der Vorbereitung auf das Erwachsenenleben findet
das Kind im Spiel
Die Aufnahme in unseren Kindergarten mit vollendetem dritten Lebensjahr ist
für das Kind der ideale Zeitpunkt, erste spielerische Kontakte mit anderen
Kindern aufzunehmen. Vorher ist das Kind noch sehr egozentrisch, von seiner
Mutter oder einer bestimmten Bezugsperson abhängig und somit unfähig zum
Zusammenspiel mit anderen. Bei Kindergarteneintritt spielt es oft noch allein
oder nur mit einem Freund, und das auch nur für kurze Zeit. Es braucht noch
viel Hilfe und Zuwendung von der Gruppenleiterin bei Spielauswahl und beim
Finden eines Spielpartners. Nach und nach entwickeln sich Zweier- und
Dreierbeziehungen und beim Vier- bis Fünfjährigen dehnt sich die Spieldauer
schon über 10 - 20 Minuten aus. Das Kind benötigt immer weniger die Hilfe der
Erzieherin beim freien Spiel. Das Vorschulkind ist schon in der Lage zu einem längeren,
selbständigen Zusammenspiel mit einer kleinen Gruppe oder einem Freund, ohne
die Hilfe der Gruppenleiterin zu beanspruchen.
6.1
Wie sieht das Freispiel aus ?
Die tägliche Freispielzeit liegt meist zu Beginn des Kindergartenalltags.
Die Gestaltung des Raumes und das Materialangebot ist sehr wichtig. Die Kinder
sollen Platz für Bewegungsspiele haben (Bauteppich, freier Raum), am Tisch
Gelegenheit zum Spielen, Malen und Basteln haben und sich auch in die Puppen-
oder Leseecke zurückziehen können. Beim Material bevorzugen wir inhaltlich
wenig festgelegtes aber vielfältig verwendbares Spielmaterial, mit dem die
Kinder ohne Anleitung der Gruppenleiterin umgehen können. Mit Decken, Kisten
und Verkleidungsmaterial dürfen die Kinder ihren Gruppenraum auch umgestalten
und neue Spielsituationen schaffen.
Während der Freispielzeit beschäftigt sich die Gruppenleiterin mit
einzelnen Kindern oder kleinen Gruppen, die noch eine besondere Aufmerksamkeit
benötigen, um zu einem selbständigem Spiel zu finden. Sie übernimmt aber in
keinem Fall die Rolle des Spielleiters, um nicht in Gruppendynamik und
Spielablauf einzugreifen. Die Kinder sollen selbst kreativ werden und lernen,
sowohl die Rolle des “Anführers” wie die des “Mitspielers” zu übernehmen.
Die Gruppenleiterin wirkt ausgleichend, wenn einzelne Kinder in ihrem Spiel von
anderen gestört werden. Durch ihr Vorbild erzieht sie die Kinder zur
gegenseitigen Toleranz und Rücksichtsnahme und weckt das
Verantwortungsbewusstsein und Interesse der Kinder für die eigene Gruppe. Für
ein konstruktives Spielen sind Regeln unumgänglich. Diese werden immer wieder
gründlich mit den Kindern besprochen und auf deren Einhaltung achten sowohl
Kinder wie Gruppenleiterin.
Gegebenenfalls greift die Gruppenleiterin auch Spielideen der Kinder auf, um
sie in angeleiteten Spielen und Bastelarbeiten weiter zu vertiefen. Äußerst
wichtig ist es, dass die Kinder beim Spielen Erfolgserlebnisse erfahren und
Freude am Spiel haben: Etwas fertig bauen, ein Bild fertig malen, ein Puzzle
vollständig legen, ein Spiel zu Ende führen .... All das gibt ihnen
Selbstbewusstsein und stärkt ihre Motivation für neue Spiel- und Lernangebote.
6.2
... und was beobachten wir dabei ?
Beim täglichen Freispiel hat
die Gruppenleiterin Gelegenheit zur Beobachtung der Kinder und kann so besondere
Auffälligkeiten feststellen, wie z. B.:
- Kommunikationsprobleme / Sozialverhalten
(Kind spielt immer allein, lässt sich dominieren, will immer das Spiel
bestimmen, ist auffallend aggressiv ....)
-
Konzentrationsschwierigkeiten
(ist leicht ablenkbar, führt kein Spiel zu Ende, wechselt ständig
Spielmaterial
und Spielpartner ...)
-
Probleme im Wahrnehmungsbereich
(nicht angemessene Reaktionen beim Sehen, Hören, Verstehen und Erkennen
von Lernangeboten).
-
Schwierigkeiten mit Grob- und Feinmotorik
(nicht altersgemäß entwickelt)
Durch angeleitete Spiele und gezielte Beschäftigungen kann die Gruppen-
leiterin bestimmten Anfälligkeiten und Problemen einzelner Kinder innerhalb der
Gruppe entgegenwirken, Rücksprache mit den Eltern und deren Mithilfe ist
wichtig, um die Kinder entsprechend zu fördern. In einzelnen Fällen ist die
Hilfe unserer Schulpsychologin
angebracht, die Erziehern und Eltern fachlichen Rat bieten kann. Je früher
bestimmte Probleme des Kindes erkannt werden, umso leichter ist es, sie zu lösen.
Das Kind durchläuft in seiner Entwicklung mehrere aufeinanderfolgende
Spielphasen, die alle gleich wichtig sind und vom Kind voll ausgelebt werden müssen.
Nur so kann seine Entwicklung ungestört tund ganzheitlich verlaufen. Kinder,
die nicht genug Gelegenheit zum Spielen haben, müssen auf grundlegende
Erfahrungen verzichten, die ihnen später in der Schule und im Erwachsenenleben
helfen, erfolgreich ihren eigenen Weg zu finden. Um sich zu bilden, genügt es
nicht, dass das Kind jeden Lerninhalt passiv aufnimmt; es muss selbst handeln,
selbst kreativ sein. Ein kreativer Mensch verfügt über eine eigene, von außen
unabhängige Grundlage und ist deshalb besser auf das Leben vorbereitet als ein
nur gut ausgebildeter Mensch, der nie im Spiel gelernt hat, seine eigenen Fähigkeiten
zu entwickeln.
Es bleibt also noch einmal zu betonen, dass es sich beim kindlichen Spiel
nicht um “Spielerei” und verlorene Zeit handelt, sondern um eine wertvolle
Erfahrung, die nicht unterschätzt werden darf.
7.
Inhalte unserer Kindergartenarbeit
7.1
Soziale Entwicklung des Kindes
- Erziehung ist Aufgabe des
Elternhauses; der Kindergarten hat unterstützende
und ergänzende Funktion
Ziel und Bestrebung der Sozialerziehung im Kindergarten ist, das Kind in
seiner sozialen Entwicklung zu fördern und zu befähigen, eigene Bedürfnisse
und Ansprüche im Umgang mit anderen Kindern und Erwachsenen selbst zu steuern.
Das Handeln des Kindes soll durch innere Einsicht erfolgen und nicht durch von
aussen aufgezwungene Ordnung.
Im Kindergartenalltag entstehen Situationen, bei denen das Kind lernt, die
Konsequenzen seines Verhaltens zu erkennen und sein Verhalten danach
auszurichten. In kindgerechter, freundlicher Umgebung und positiver Atmosphäre
findet es Sicherheit und fühlt sich geborgen.
Dies bewirkt für das Kind innere Ruhe und Ausgeglichenheit, stärkt sein
Selbstvertrauen und schafft eine positive Einstellung zu seinem Umfeld. Die von
Natur aus vorhandene Neugierde des Kindes, seine Aufgeschlossenheit und
Aufnahmebereitschaft werden aufrechterhalten und gefördert. Freude an
Kommunikation und Motivation zur Teilnahme am Geschehen im Kindergarten bilden
die Voraussetzungen für eine erfolgreiche bikulturelle Erziehung.
Eingangsphase
Zu Beginn des Kindergartenbesuchs bedarf die Zeit der Eingangsphase (Eingewöhnung
d.K. in den Kindergarten) besonderer Aufmerksamkeit und individueller Betreuung
durch die Gruppenleiterin. Sie ist zeitlich nicht begrenzbar, da sie von der
individuellen Entwicklung des einzelnen Kindes abhängig ist. Innerhalb der
Eingangsphase muss sich das Kind mit folgenden besonderen Schwierigkeiten und
Lernprozessen auseinandersetzen:
- Ablösung vom Elternhaus (gute Beziehung zur Gruppenleiterin aufbauen und
Geborgenheit im
Kindergarten finden).
- Erlernen von Selbständigkeit (verlangt besondere pflegerische Aufgaben
von
der Gruppenleiterin).
- Hinführen zur Ordnung im Kinderalltag.
- Aufbauen erster Gruppenkontakte und Auftreten erster Konflikte mit anderen
Kindern.
(Lernen, andere zu berücksichtigen
und zu respektieren).
- Entwickeln von kurzer Spielausdauer.
Gruppenfähigkeit
Der nächste wichtige Aspekt der Sozialentwicklung ist die Erziehung zur
Gruppenfähigkeit. Gemeint damit sind folgende Fähigkeiten:
- Übernahme sozialer Rollen (findet Ausdruck im Rollenspiel: Tiere, Mutter
und Kind).
- Bildung von Kleingruppen und von Freundschaften innerhalb der Kinder-
gartengruppe.
- Ergreifen von Initiativen (Spielvorschläge, Bildung von
“Interessengemein-
schaften”).
- Individuelle Ansprüche innerhalb der Gruppe durchsetzen und von anderen
akzeptieren können.
(Sollen der Situation angemessen sein.)
- Anstreben verbaler Konfliklösung und Ausdrücken eigener Bedürfnisse
(zunächst noch mit, später
ohne Hilfe der Gruppenleiterin).
Selbständigkeit
Als Langzeitziel der sozialen Entwicklung im Kindergarten steht die
Erziehung zur Selbständigkeit.
Das bedeutet für das Vorschulkind die Fähigkeit zu:
- Richtiger Selbsteinschätzung.
- Übernahme von Verantwortung für eigenes Handeln und für die eigene
Person.
(Aufbewahren von
Eigentum und Beachten von Körperhygiene).
- Übernahme von Gruppenaufgaben.
- Autonomie innerhalb des Kindergartenbereiches.
- Fähigkeit zur Kontaktaufnahme zu unbekannten Personen.
(z. B. andere Eltern,
Grundschullehrer).
- Hilfsbereitschaft, Rücksichtsnahme (ohne direkte Aufforderung).
7.2
Wahrnehmung und Motorik
Ohne Sinne gibt es kein Verstehen. Kinder sind darauf angewiesen, sich die
Welt durch ihre Sinne zu erobern. Für sie ist die sinnliche Wahrnehmung der
Zugang zur Welt. Die Sinne sind
ihre Antennen mit denen sie Informationen, Eindrücke und Erlebnisse
verarbeiten. Sie müssen greifen um zu begreifen, spüren und tasten um zu
erfahren, hören um zu verstehen, sehen um aufzunehmen, riechen und schmecken,
um zu differenzieren und zu unterscheiden.
Kinder lernen bis etwa zum Alter von 7
Jahren grösstenteils über die Sinne. Erst ab diesem Alter entwickelt
sich das abstrakte Denken des Kindes. Damit stellt die Sinneswahrnehmung eine
Grundlage der kongnitiven und sprachlichen Entwicklung
des Kindes dar.
Im Kindergarten werden Wahrnehmung und Motorik gezielt in Angeboten gefördert,
aber auch versucht, den Kindern Freiraum zu lassen, um selbst vielfältige
Erfahrungen zu machen. Die Förderung der Wahrnehmung und Motorik ist
eingebettet in die Beschäftigungen der verschiedenen Rahmenbereiche der
Kindergartenarbeit (wie z.B. Umwelterfahrung, ästhetische und musikalische
Erziehung) und ist deshalb nicht isoliert zu sehen.
Die Themenpläne bestimmen Schwerpunkte und Fördermöglichkeiten. Eine
besondere Rolle spielt dabei auch immer der sprachliche Bezug.
Optische Wahrnehmung:
- Farben und Formen
- rund und eckig
- groß und klein
- dick und dünn
- vorne und hinten
- oben und unten
- drinnen und draußen
- viel und wenig (Mengenvorstellungen)
- Raumvorstellung
Akustische Wahrnehmung:
- laut und leise
- schreien und flüstern unterscheiden
- kurze Sätze nachsprechen
- Wörter und Zahlen wiederholen
- Lieder und Reime aufnehmen und wiedergeben
(Querverbindung zur
Sprache und Musikerziehung)
- einfache Rhythmen klatschen
- Tierstimmen erkennen und benennen
- Geräusche von Fahrzeugen erkennen
- rhythmische Musikinstrumente unterscheiden
Tasten und Empfinden:
- warm und kalt
- glatt und rauh
- weich und hart
Riechen:
angenehme und unangenehme
Gerüche wahrnehmen