Qualitätsfeststellung und Qualitätsentwicklung
    im Kindergarten der Deutschen Schule Barcelona


    2009 Fortbildung: "Zahlenland" 2009 Formación profesional: "Zahlenland"

    Verlauf

    Datum
     
    Vormittag
    7.20-13.00 Uhr
    Nachmittag
    13.00-17.30 Uhr
    Mittwoch, 30.01. Evaluation der Einrichtung und der
    pädagogischen Arbeit,
    Gespräche mit Eltern- und Trägervertretern, Schulleiter
    Mittagessen und
    Nachmittagsbetreuung
    Donnerstag, 31.01.
    Evaluation der Einrichtung und der
    pädagogischen Arbeit,
    Mitarbeiterinnenbefragung,
    Gespräche mit Elternvertretern/innen
    Mittagessen und
    Nachmittagsbetreuung
    Freitag, 01.02. Auswertung der Ergebnisse durch die
    Qualitätseinschätzer/innen
    Präsentation der Ergebnisse
    Eingeladen sind das Kiga-Team, VS-Lehrerinnen, Schulleiter,
    Vertreter des Schulvorstands und des Elternbeirats
    Samstag, 02.02. Fortbildung für das Kiga-Team und Vorschullehrerinnen zur
    Qualitätsentwicklung
    Fortbildung für das Kiga-Team und Vorschullehrerinnen zur
    Qualitätsentwicklung

    Übersicht: "Dokumentation der Evaluation" und "Empfehlungen zur Qualitätsentwicklung"

    0. Vorwort
    1. Grundaussagen des Abschlussberichtes
    2. Trägergespräch - Schulvorstand
    3. Elternbefragung - Elterngespräch
    4. Mitarbeiterinnenbefragung
    5. Leitung
    6. Qualität der pädagogischen Arbeit des Kindergartens "KES-R"1 und "Do-RESI"2
    7. Empfehlungen zur Qualitätsentwicklung

    1: Kindergarteneinschätzskala als Beobachtungsinstrument für die pädagogische Arbeit
    2: Dortmunder Ratingskala zur Erfassung sprachförderrelevanter Interaktionen


    Autor des Berichts: Ulrich Braun, Dipl.päd., KitaAgentur Münster
    Zusammenfassung 1-7: Anneliese Gleim, Kindergartenleiterin DSB

    0. Vorwort

    (Ulrich Braun)

    Am 29. und 30. Januar 2008 wurde im Kindergarten der Deutschen Schule in Barcelona eine Evaluation durchgeführt. Der Schwerpunkt der Evaluation war die Einschätzung der pädagogischen Arbeit des Kindergartens auf der Grundlage der Kindergarten-Skala (Kes-R; Prof. Tietze, W. u.a.). Zusätzlich wurden weitere Qualitätsaspekte durch Befragungen und Interviews erhoben und ausgewertet. Es fanden Gespräche mit Vertretern des Schulvorstands und des Elternbeirates statt. Eine Elternbefragung (auch ins Spanische übersetzt) und eine Mitarbeiterinnenbefragung wurden mittels Fragebogen durchgeführt. 128 Bögen wurden von den Eltern ausgefüllt zurückgegeben; 20 Mitarbeiterinnen, einschließlich Erzieherinnen im Berufspraktikum, beantworteten die Mitarbeiterinnenbefragung.

    Qualitätseinschätzer waren in der Anwendung der Kindergarten-Skala (KES-R) geschulte Mitarbeiterinnen (Antje Braun, Susanne Novack, Maren Schulz) unter der Leitung von Ulrich Braun, KiTaAgentur Münster.
    Am Auswertungsgespräch am 31.01.2008 nahmen Vertreter des Schulvorstandes, Vertreter des Elternbeirates, Schulleiter und stellv. Schulleiter, Mitarbeiterinnen der Grundschule (Vorschule) und Leitung und Team des Kindergartens teil. In dieser Zusammensetzung hatte es nie zuvor ein gemeinsames Gespräch gegeben. Allein diese Zusammensetzung, die gemeinsame Teilnahme an der Auswertung der Evaluation und der anschließende Austausch mit ersten Vereinbarungen zur Weiterarbeit führten eine neue Qualität, einen "Qualitätsdialog", in die Bemühungen um Qualitätsentwicklung des Kindergartens ein. Dies wurde von allen Beteiligten gleichermaßen positiv und wertschätzend gewürdigt.
    Die Qualitätseinschätzer hoben diesen gemeinsamen Prozess der Qualitätsentwicklung besonders heraus. In dieser Form und Kompaktheit handelt es sich um einen sehr ungewöhnlichen und äußerst seltenen Qualitätsfeststellungs- und Qualitätsentwicklungsprozess. Es ist besonders herauszuheben, dass der Kindergarten zum "Vorbild" für den gesamten Evaluationsprozess der Deutschen Schule Barcelona geworden ist.

    Die Ergebnisse sind in den Kapiteln zur Träger-, Eltern- und Mitarbeiterinnenqualität und zur pädagogischen Qualität aufgeführt. In zwei Exkursen werden zusätzliche Themenfelder (Vorschule und Arbeitszeit) betrachtet, die für eine Weiterentwicklung von besonderem Gewicht sind und ohne die eine Gesamtbetrachtung der Qualität des Kindergartens unvollständig bleiben muss.
    Den Abschluss bilden Empfehlungen zur weiteren Qualitätsentwicklung.



    Antje Braun, Susanne Novack, Maren Schulz, Ulrich Braun

    1. Grundaussagen des Abschlussberichts


    • Träger und Eltern sind nach eigener Aussage zufrieden, vielfach sehr zufrieden. Die Zufriedenheit mit der pädagogischen Arbeit und den Fachkräften ist sehr hoch. Kinder und Eltern fühlen sich im Kindergarten wohl!

    • Der Schulvorstand unterstützt den Kindergarten in seiner Rolle als Träger. Er unterstützt das Konzept der "deutschen Erziehung", das bedeutet, den eher kreativ freien Spielraum im Kindergarten im Gegensatz zu mehr verschulten spanischen Vorschulerziehung. Er bringt der Kindergartenarbeit große Wertschätzung bei.

    • Die Mitarbeiterinnen haben Freude an der Arbeit und meistern sie zuverlässig. Es gibt aber unterschiedliche Meinungen zur pädagogischen Ausgestaltung der Arbeit. Es werden auch Veränderungen gewünscht.

    • Einzelne Qualitätsdimensionen schneiden gut und besser ab, z.B. sprachliche und kognitive Anregungen, Interaktionen, Strukturierung der päd. Arbeit, Eltern und Erzieherinnen. Andere Dimensionen sind noch zu verbessern, z.B. Ausstattung, Pflege und Betreuung der Kinder und vor allem Aktivitäten.

    • Die Empfehlungen zur Qualitätsentwicklung beziehen sich in erster Linie auf eine Auseinandersetzung um "Bildungsbereiche", z.B. künstlerisches Gestalten, Bausteine, Sand und Wasser, Rollenspiel, Förderung von Toleranz und Akzeptanz, Mathematisches Verständnis, Naturerfahrungen/Sachwissen. "Lernwerkstätten" sollten den Selbstbildungspotentialen der Kinder mehr Zeit, Raum und Anregung geben.

    • Insgesamt ist das Sprachniveau sehr hoch. Sprachförderrelevantes Verhalten, Sprache der Erzieherin und Beziehungsqualität, Voraussetzung für eine ganzheitliche Sprachförderung, sind in guter Qualität vorhanden.

    • Auch im Bereich der sprachlichen und kognitiven Anregungen ist weitere Qualitätsentwicklung möglich. Zu beobachten ist, dass die Erzieherinnen viel sprechen - sie sollten mehr offene Fragen stellen: "wer - was - wann - warum - wozu - wieso ..?"

    • Der Übergang vom Kindergarten zur Grundschule ist noch weiter zu entwickeln. Hier bietet die Struktur der DSB mit der unmittelbaren Anbindung des Kindergartens an die Schule Möglichkeiten wie z.B. die eines "flexiblen Übergangs", die konzeptionell weiter ausgestaltet werden könnten.

    • Qualitätsentwicklung ist ein fortdauernder Prozess, der umso besser gelingt, je verbindlicher Ziele und "Meilensteine" formuliert werden. Evaluation sollte als regelmäßiger Bestandteil in ein Qualitätsmanagement integriert werden.

    Die im Anschluss vorgestellte Zusammenfassung der einzelnen Untersuchungen und Befragungen (1-7) wurde auf Grund des vorliegenden Evaluationsberichts und der Qualitätsempfehlungen (U. Braun) vor Ort erstellt und ist Resultat eigener Analysen und Auswertungen. Die tabellarische Zusammenfassung ist in zwei Bereiche aufgegliedert:

          1. "Das ist gut!"
          2. "Daran müssen wir arbeiten!"

    2. Trägergespräch - Schulvorstand


       
    Der Träger unterstützt das Konzept der "deutschen Erziehung" (spielerisch-kreativer Freiraum im Gegensatz zur mehr verschulten spanischen Vorschulpädagogik).
    Die Trägervertreter/innen (Mitglieder des Schulvorstands) beweisen

    • Professionelle und kompetente Abgrenzung der Elternrolle von der Tätigkeit im Schulvorstand

    • Außergewöhnliche hohes Engagement und Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung für die Schule (Schulvorstand und EB)

    • Schulvorstand ist zufrieden mit der Arbeit des Kindergartens, zeigt Professionalität bei der Behandlung von päd. Fragen

    • Träger zeigt eine hohe Wertschätzung für die Leistungsbereitschaft und -fähigkeit der Mitarbeiterinnen
       
  • Kommunikationsstrukturen

  • "Jour fixe" einrichten unter Beteiligung von Leitung, Mitarbeiterinnen und Träger- Beauftragtem

  • 3. Elternbefragung - Elterngespräch


       
    Kinder und Eltern fühlen sich im KG wohl!

    • Zusammenarbeit von Erzieherinnen und Familien ist überwiegend gut bis sehr gut

    • Hohe Zufriedenheit mit der päd. Arbeit: Gute Vorbereitung für die Schule und gute alters- und entwicklungsgemäße Förderung

    • Hohe Zufriedenheit mit den Fachkräften: sehr freundlich, gute bis sehr gute Begrüßung und Verabschiedung

       
  • Tägliche Betreuungszeiten

  • Verteilung der Schließungstage im Jahr

  • mehr Zeit für Elterngespräche und Kollaboration mit Erzieherinnen

  • 4. Mitarbeiterinnenbefragung


       
  • hohe persönliche Motivation

  • Freude an der Arbeit / Herausforderung

  • Vertrauen in eigene Leistung

  • Man begegnet sich mit Respekt und Wertschätzung

  • Wertschätzung und Anerkennung von Eltern
  •    
  • Mehr Gelegenheit zur Weiterentwicklung (Fortbildungen)

  • Kommunikation Träger - Eltern - Team

  • 5. Leitung


       
    Professionell agierende Leitung, zeichnet sich aus durch
    • Fachkompetenz / Dialogbereitschaft in Fragen fachlicher Weiterentwicklung

    • Breites Organisationswissen, umfangreiche Organisationskompetenz

    • Hohe Motivation und überdurchschnittliches Engagement
       
  • Kontakte Träger - Eltern - Team

  • 6.Qualität der pädagogischen Arbeit des Kindergartens "KES"


       
    I. Ausstattung
    Platz für Grobmotorik
    Raumgestaltung
    Innenraum
    Mobiliar für Pflege, Spiel und Lernen
    Kindbezogene Ausgestaltung
     
       
    Sanitäre Einrichtungen
    Entspannung und Behaglichkeit
    Rückzugsmöglichkeiten im Kindergarten
    Ausstattung für Grobmotor
    II. Betreuung und Pflege der Kinder
    Sicherheit
    Begrüßung u. Verabschiedung
    Mahlzeiten, Zwischenmahlzeiten
    Gesundheitsvorsorge
     
       
    Organisation des Frühstücks
    III. Sprachliche und kognitive Anregungen
    Bücher und Bilder
    Anregung zur Kommunikation
    Nutzung Sprache/kognitiver Fähigkeiten
    Allgemeiner Sprachgebrauch
     
        Entwicklung offener Kommunikations-situationen (Frage- und Impulstechniken)
    IV. Aktivitäten
    Feinmotorische Aktivitäten
    Bausteine
    Künstlerisches Gestalten
     
       
    Naturerfahrung/ Sachwissen
    Mathematisches Verständnis
    Förderung von Toleranz u. Akzeptanz (Interkulturalität)
    Sand und Wasser
    V. Interaktionen
    Erzieher-Kind-Interaktion
    Kind-Kind-Interaktion
    Allg. Beaufsichtigung
    Verhaltensregeln, Disziplin
    Beaufsichtigung grobmotorische Aktivitäten
     
       
    VI. Strukturierung der pädagogischen Arbeit
    Freispiel
    Gruppenstruktur
    Tagesablauf
     
       
    VII. Eltern und Erzieherinnen
    Berücksichtigung persönlicher Bedürfnisse
    Berücksichtigung fachlicher Bedürfnisse
    Interaktion / Kooperation der Mitarbeiter
    Elternarbeit
    Fortbildungsmöglichkeiten
     
       
    Unterstützung u. Evaluation der Mitarbeiter zur permanenten Qualitätsentwicklung einführen

    Kommunikationswege Eltern / Team

    7.Empfehlungen zur Qualitätsentwicklung


            Bildungsbereiche             Freispiel

    Differenzierte Bildungsbereiche ausgestalten durch Ausschöpfen der vorhandenen Raumressourcen

    • Vorhandene Raumressourcen ausschöpfen - innen und außen -
    • Differenzierte Bildungsbereiche ausgestalten
    • "Lernwerkstätten" im Kindergarten einrichten als Orte und Angebote zur Unterstützung und Begleitung kindlicher Bildungsprozesse


        Das Freispiel ist Markenzeichen für deutsche frühkindliche Erziehung. Das Freispiel unterstützt die Kreativität und den Selbstbildungsprozess der Kinder

    • Das Freispiel soll deutlicher gewichtet werden
    • Enge Rhythmisierung des Vormittags auflösen - keine Unterbrechungen durch Unterrichtseinheiten
    • Konzept der "Selbstbildung" in der Frühpädagogik fördern

           Bildungskonzept - Vorschule
                Empfehlungen Qualitätsentwicklung
    Die DSB bietet hervorragende Rahmenbedingungen für flexible Übergänge als Bildungsinstitution von 3-18

    • Gemeinsamer Bildungsplan von Kindergarten und Grundschule für Kinder von 3 bis 10 Jahren
    • Flexible Schuleingangsphase
    • Konzept und Organisationsform für 5-6jährige weiterentwickeln
    • VS-Lehrkräfte sollten Teil des Kiga-Teams sein und an Bildungsinhalten im Kiga anknüpfen
    • Lernwerkstätten für Mathematik, Naturwissenschaften und Schriftspracherwerb einrichten
    • Orientierung an neuen Bildungsplänen in Deutschland
        Qualitätsentwicklung ist ein fortdauernder Prozess, der umso besser gelingt, je verbindlicher Ziele und "Meilensteine" formuliert werden.

    • Evaluation sollte als regelmäßiger Bestandteil in das Qualitätsmanagement integriert werden
    • Nutzung von Selbstevaluationsverfahren
    • Evaluation einzelner Bildungsbereiche
    • Implementierung regelmäßiger Eltern- und Teambefragungen
    • Kommunikation Träger - Eltern - Team intensivieren